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Schwere Krawalle in Straßburg - Ruhe in Kehl
04.04.2009 17:52 - Tag 2 des NATO-Gipfels im Überblick
Schwere Krawalle mit angezündeten Häusern und demolierten Geschäften in Straßburg haben heute den Abschluss des NATO-Gipfels überschattet. Ruhe herrschte dagegen auf deutscher Seite. In Kehl kamen rund 6.000 Aktivisten zur größten, aber friedlichen Demonstration gegen das Treffen der 28 Staats- und Regierungschefs der NATO an diesem Wochenende. Die deutsche Polizei riegelte die Grenze komplett ab, um zu verhindern, dass gewalttätige Demonstranten von Straßburg in Richtung Kehl marschierten. Dort hatten sich am Vormittag die 28 NATO-Staats- und Regierungschefs auf der Passerelle von Deutschland nach Frankreich zum Staatsakt und Fototermin getroffen. Kurz vor 9 Uhr war Bundeskanzlerin Angela Merkel am Rheinufer eingetroffen. Dort war sie von OB Günther Petry begrüßt worden.
Mit einem feierlichen Handschlag in der Mitte der Passerelle feierten die Staats- und Regierungschefs die Rückkehr Frankreichs in die militärische Kommandostruktur der NATO. Während Sarkozy von Straßburg aus über die Brücke schritt, gingen Merkel, Obama und die übrigen NATO-Spitzenpolitiker von Kehl aus auf ihn zu. Die Feierlichkeiten begannen mit fast einer Stunde Verspätung. Für Verwunderung sorgte Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der minutenlang telefonierte und Merkel auf dem roten Teppich warten ließ. Er war beim gemeinsamen Gang über die Passerelle nicht dabei.
Die Polizei sperrte das Gelände am Ufer weiträumig ab. Dennoch versuchten NATO-Gegner, auf das historische Bild auf der Brücke zu kommen. Fünf Menschen waren mit einem Schlauchboot auf dem Rhein Richtung Brücke unterwegs. Andere stiegen südlich von Kehl mit einem Heißluftballon in die Luft. Zudem entdeckte die Polizei Frauen und Männer in Taucheranzügen, mehrere Menschen schwammen außerdem durch den abgesperrten Rhein Richtung Brücke. 26 Menschen wurden vorläufig festgenommen, waren wenig später aber wieder auf freiem Fuß.
Als Obama und seine Kollegen schon längst wieder in Straßburg verhandelten, eskalierte nur wenige Kilometer von der City entfernt die Lage auf der französischen Seite des Rheins. Militante NATO-Gegner warfen Brandsätze auf mehrere Gebäude. Das fünfstöckiges, aber geräumte Ibis-Hotel nahe der Europabrücke, ein Informationsbüro für Touristen und das alte Zollhaus gingen in Flammen auf. Mehrere schwarze Rauchsäulen waren zu sehen.
Zuvor hatten zumeist schwarz gekleidete und vermummte Randalierer eine Tankstelle und eine Apotheke geplündert und Schaufenster eingeschlagen. Angaben über Verletzte gab es zunächst nicht. Am Nachmittag versuchte ein Zug mit Demonstranten trotz Verbots in die Straßburger Innenstadt zu ziehen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein, um sie daran zu hindern. Bei einigen Chaoten wurden Schusswaffen gefunden. Insgesamt waren in Straßburg rund 10.000 NATO-Gegner auf der Straße, davon nach Einschätzung der Polizei etwa 1.000 Gewalttätige.
"Das ist kein Zufall, dass die das Hotel in Brand gesteckt haben. Die dachten, dass hier Polizisten untergebracht sind", sagte ein französischer Polizeibeamter. Offiziell wollten sich die Behörden nicht dazu äußern, ob im Gebäude Sicherheitskräfte untergebracht waren.
Der Protestzug in Kehl wollte ursprünglich zu der zentralen Kundgebung in Straßburg ziehen. Mehrere Polizeihubschrauber kreisten über dem Gebiet. Die deutschen Behörden schickten Wasserwerfer und Feuerwehrzüge zum Löschen auf die andere Seite des Rheins.
Auf französischer Seite hatten sich bereits am Vormittag mehrere hundert NATO-Gegner schwere Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas, Gummigeschosse und Blendschockgranten ein. Demonstranten versuchten, Polizeibarrikaden aus dem Weg zu räumen.
In Baden-Baden herrschte dagegen einen Tag nach dem Gipfelauftakt schon wieder Kurstadt-Atmosphäre. Die meisten der rund 6.000 Polizisten waren bis zum Mittag abgezogen, die Absperrgitter beseitigt. Auch rund um den Gipfel-Tagungsort im Kurhaus flanierten wieder Spaziergänger. Baden-Badens Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner zeigte sich erleichtert. "Als friedlicher Austragungsort haben wir eine gute Figur gemacht", sagte er. Die Stadt habe sich sehr gut verkauft. Er sei wunschlos glücklich.











