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Noch bis einschließlich 04.03.2019 ist der Fernsehfilm "Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau" in der Mediathek der ARD zu sehen. Katharina Wackernagel spielt darin die emanzipierte und fleißige Offenburgerin, die ein Modeheft für Frauen gründet und sich in ihrer Ehe zu behaupten versucht. Dieses Jahr im Juli wäre die Mode-Legende 110 Jahre alt geworden. Doch wer war Aenne Burda eigentlich genau und was machte sie zu einer solchen Offenburger Berühmtheit? Ihre Geschichte ist lesens- und erzählenswert. Egal, ob man die Möglichkeit hat, den Film über sie zu schauen oder nicht.

Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau

Zu ihrem 100ten Geburtstag, den Aenne Burda leider nicht mehr miterleben dufte (sie starb am 3. November 2005 in Offenburg, wo sie auch geboren wurde) startete am 19. Juli 2009 vormittags die große Ausstellung "Aenne Burda – Ein Leben für die Mode“ im Ritterhausmuseum in Offenburg. Bis Januar 2010 wurden viele Exponate aus dem Privatbesitz der „Burda Moden“-Erfinderin gezeigt. Bei einem nichtöffentlichen Empfang in den Ausstellungsräumen kamen prominente Gäste zusammen und gedachten der Frau, die so viel für die Mode der Frauen beisteuerte und noch immer ein Vorbild für nachkommende Generationen in der Branche darstellt. Die Ausstellung besuchten nicht nur Aenne Burdas Schwiegertochter sondern auch Schauspielerinnen, wie Maria Furtwängler und Musiklegenden wie Udo Jürgens. Doch hiermit endete die Erinnerung an die Offenburger Mode-Legende nicht.

Es ist ein Dienstagabend, wenige Tage vor Weihnachten 2018. Mehr als tausend Menschen versammeln sich in der Oberrheinhalle in Offenburg. Es ist ein Ereignis, das nicht nur ein unterhaltsames, sondern auch ein gesellschaftspolitisch relevantes Stück Kunst ehrt. Der SWR und die Hubert Burda Media präsentieren in der Offenburger Oberrheinhalle den Zweiteiler „Aenne Burda - Die Wirtschaftswunderfrau“. Anschließend nehmen Regisseurin Francis Meletzky, Autorin Regine Bielefeldt, Produzentin Sabine Tettenborn von der Polyphon Pictures und Manfred Hattendorf als Redakteur des Films mit Hubert Burda, dem Sohn Aennes, am von Hendrike Brenninkmeyer moderierten Filmgespräch teil.

Von diesem Gespräch über die Dekoration der Halle bis hin zu dem Auftreten der Gäste, sind die Themen Mode und weibliches Selbstbewusstsein über mehrere Stunden hinweg präsent. Immerhin geht es um eine „große Frau“, um die „Königin der Kleider“, die den jüngst verstorbenen Modeschöpfer Karl Lagerfeld zu ihren Freunden zählen konnte und überhaupt als eine prägende Persönlichkeit der Nachkriegsgeschichte gelten muss.

Den Frauen der 1950er Jahre gab sie dabei weit mehr als Mode und jene Leichtigkeit, an die während der Kriegsjahre nicht zu denken war. Was sie diesen Frauen vor allem gab, war ein beeindruckendes Vorbild an weiblicher Emanzipation, Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen – im Beruf wie in modischen Fragen. Wenn sich junge Frauen also heute ganz selbstverständlich eher männlich besetzte Modetrends aneignen, von der Oberbekleidung bis zum Schuhwerk, dann ist das auch ein Stück weit Aenne Burdas Verdienst.

Die gebürtige Offenburgerin setzte in vielerlei Hinsicht Maßstäbe, von klein auf, und lieferte damit eine beispiellose Lebensgeschichte.

 

Wie die Kindheit Aenne prägte

Aenne Burda kam im Juli 1909 zur Welt, in einer Zeit, in der es das Wort Emanzipation noch überhaupt nicht gab. Und in der niemand daran dachte, dass es knapp einhundert Jahre später völlig normal sein würde, dass in manchen Familien die Väter den Haushalt schmeißen und die Mütter arbeiten gehen.

 

Im beschaulichen Offenburg wird Aenne 1909 geboren. Niemand ahnt, dass sie die Stadt einmal deutlich berühmter machen wird. fotolia.de © Arnaud (#202645142)

Doch von vorn: Anna Magdalena Lemminger wird also in Offenburg des Jahres 1909 geboren. In eine Familie, die zwar ordentlich, sauber und streng, aber in bescheidenen Verhältnissen lebt. Annas Vater ist Heizer, ihre Mutter übt nur die Rolle der Mutter aus – wie das damals eben meist so war – und verbringt ihre freie Zeit in der Kirche. Anna und ihre Schwester werden gut behandelt und der Haushalt ist geschniegelt, wie auch die Kleidung der Kinder. Dennoch nimmt Anna die drei Ankerpunkte des Lebens ihrer Mutter (Küche, Kirche, Kinder) als Provokation wahr, während sie ihren Vater als Vorbild, gar als Helden ansieht.

Die Erziehung und die Zeit, in der sie älter wird, machen sie zu einer Kämpferin: Sie möchte "etwas Besseres" sein. Etwas Besseres, als viele anderen Frauen, vielleicht auch etwas Besseres, als ihre Mutter. So kann sie die Eltern überreden, sie auf eine Klosterschule zu schicken, wo sonst vor allem vornehme Töchter unterrichtet werden. Zwar wird sie dort gehänselt und ist eine Außenseiterin, doch Burda beißt sich durch und sie wird nur noch stärker.

Im beschaulichen Offenburg wird Aenne 1909 geboren. Niemand ahnt, dass sie die Stadt einmal deutlich berühmter machen wird. fotolia.de © Arnaud (#202645142)

Stil- und Selbstbewusstsein schon im jüngsten Alter

Schon als Kind passt es Burda nicht, wenn das Kleid und die Schliefe im Haar nicht zueinanderpassen. Da auch ihre Mutter bemüht ist, sie und ihre Schwester immer adrett zu kleiden, entwickelt Burda schnell ein Gespür dafür, was gepflegte und elegante Kleidung bedeutet. Bereits im jungen Alter von 10 merkt ihr Umfeld, dass Burda reifer ist, als andere in ihrem Alter. Und Burda selbst verdeutlicht sich, dass sie die Gestalterin ihres eigenen Lebens ist. Es ist kaum vorstellbar, dass viele Kinder im Jahr 1917 auf solche Gedanken kommen. Doch Burda ist eine Ausnahme.

Nachdem sie die Mittlere Reife erlangt, geht sie zur Höheren Handelsschule und schließt als Klassenbeste ab. Sie verliebt sich, doch ihre große Liebe wird zum Arbeiten nach Amerika geschickt. Burda leidet und findet nach einiger Zeit eine Stellung im E-Werk. Unter anderem bei der Druckerei Burda in Offenburg muss sie Schulden eintreiben. Hier trifft sie auch auf Franz, einen gebildeten Schnösel, der aber mit großen Ideen aufwartet. Sie verloben sich im Jahr 1930 und Anna führt ein Leben als Gattin und Köchin, sie näht viel und zieht sich weiterhin schick an wie kaum eine andere.

Doch als 1940 Franz Burdas uneheliche Tochter zur Welt kommt werden Annas Illusionen zerstört. Aber sie wahrt den Schein, auch für ihre drei Söhne. Sie schafft es sie vor der Hitlerjugend zu bewahren und auch sie selbst tritt der NS-Frauenschaft nicht bei. Und nach dem Krieg ändert sich ihr Leben plötzlich zum Positiven.

 

Der Erfolg Aenne Burdas

Nach Kriegsende übernimmt der Franzose "Robert Potet" die Aufsicht in der Burda-Druckerei. Er stiftet Anna an, eine Modezeitschrift nach Deutschland zu bringen und sich dabei an Pariser Vorbildern zu orientieren. Da sie sich in der Mode bestens auskennt, Potet eine Ahnung von Medien hat und ihr Mann Franz eine Druckerei besitzt, ist sie von der Idee begeistert. Doch stattdass ihr Mann mit ihr zusammenarbeitet, richtet er seiner Geliebten einen kleinen Verlag ein. Allerdings läuft dieser nicht besonders gut. Und schließlich, nach hitzigen Ehe-Dramen, schafft Anna es ihren Mann zu überreden und sie übernimmt den Verlag. Anna erscheint als alleinige Inhaberin des Moderverlags "Änna Burda in Lahr", obwohl Frauen ohne Einwilligung der Ehemänner nicht arbeiten durften. Sie triumphiert auf mehreren Ebenen und sieht dies als Ansporn, jetzt erst richtig Gas zu geben.

Mit nun 40 Jahren beginnt sie aus einem anfänglichen Schnittmusterheft ein Modeimperium zu schaffen. Zunächst kleidet sie das Nachkriegsdeutschland ein und später die ganze Welt. Wegen ihr fangen unzählige von Frauen an, Rad zu fahren und zu nähen. „Burda Moden“ verkaufen sich in 120 Ländern weltweit und im Jahr 1987 wird das Magazin mit der ersten westlichen Modenschau auf dem russischen Markt eingeführt. Ein unglaubliches und historisches Ereignis, wie Burdas Geschichte selbst eigentlich auch.

Sie führte schließlich nicht nur ein selbstbestimmtes Leben als Frau in für Frauen eher schwierigen Zeiten. Sie förderte auch das Selbstbewusstsein tausender anderer Frauen. Und sie brachte die Mode für ebenjene Frauen einen großen Schritt nach vorne.

 

Wie Aennes Vergangenheit wieder zu leben begann

All das, was man heute über das Leben der Mode-Legende weiß, verraten die Erinnerungen Aenne Burdas selbst, die die Journalistin Ute Dahmen unter dem Titel „Wunder sind machbar“ in ihrem Buch festhielt. Selbiges diente auch als Vorlage für den Fernsehfilm. Und sie verraten noch viel mehr, das es wert ist, zu lesen. Denn Dahmen recherchierte drei Jahre lang für ihr Buch und sprach mit Mitarbeitern mit, Freunden und Prominenten, mit mehr als fünfzig Menschen, um Aenne Burdas Leben so genau wie möglich nachzeichnen zu können.

 

Noch heute inspiriert Burdas Leben zahlreiche Frauen in der Welt der Mode- und Modeverlagsbranche. 

Dahmen kam Ende der 80er Jahre selbst mit Aenne Burda in Kontakt. Sie lernten sich besser kennen und Dahmen erzählt: "Später hat sie mich dann oft privat zu sich eingeladen. Da hat sie schöne Geschichten aus ihrem langen und prallen Leben erzählt. Das war faszinierend. Eine Frau, die 1909 geboren ist und Kaiserreich, Ersten Weltkrieg, Weimarer Republik, Drittes Reich und die Gründung der Bundesrepublik erlebt hat. Sie war unwahrscheinlich ehrlich, direkt – und dann hat sie auch so wunderbar gelacht."

 

Und besonders bewundert auch Dahmen, dass Burdas Lebensweg auch heute noch für viele Frauen ein Vorbild sein kann. Dahmen sei im Rahmen des Projektes erst so richtig klargeworden, dass Aenne Burdas "Lebensweg auch heute noch Vorbild sein kann. Dass sie erfolgreich war, Frauen Schönheit und Selbstbewusstsein vermittelt hat, dass sie in Südamerika Frauen bisweilen zu einer eigenen Existenz verholfen hat. Das zieht ja ganz, ganz große Kreise."

Noch heute inspiriert Burdas Leben zahlreiche Frauen in der Welt der Mode- und Modeverlagsbranche. fotolia.de © sodawhiskey (#167559266)

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