Frauen-WM - Ein voller Erfolg mit Zukunftspotenzial?
Frauen-WM - Ein voller Erfolg mit Zukunftspotenzial? © Fotolia

Packende Zweikämpfe, Traumtore und schnelle Seitenwechsel – die WM im Frauenfußball hat viele sportliche Höhepunkte erlebt. Die DFB-Auswahl hätte sich den Einzug ins Finale gewünscht. Aber: Es war im Viertelfinale gegen Schweden Schluss und die USA sind am Ende Weltmeister geworden. Dabei hat die WM eines gezeigt: Auch Frauenfußball zieht Millionen vor den Fernseher. Auswertungen zeigen, dass die Spiele der Deutschland-Auswahl teils mehr als sechs Millionen an den TV-Geräten verfolgt haben.

Diese überragenden Ergebnisse können allerdings über eine Tatsache nicht hinwegtäuschen. Geht der Ligabetrieb wieder los, sinkt das Interesse. Viele Spiele der Frauenmannschaft erreichen nur einen Bruchteil der Stadionbesucher, die sich bei den Männern auf den Weg machen. Eine Situation, die Akteure unbefriedigend finden. Sportliche Erfolge sind ein Ansatz, um Frauenmannschaften zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Eine andere Option ist die Öffentlichkeitsarbeit. Gibt es noch mehr Wege, um das Interesse anzukurbeln?

Frankreich-WM: Ein neuer Fußballhype?

Deutschland ist in Frankreich zwar ausgeschieden – die DFB-Mannschaft um Martina Voss-Tecklenburg musste sich im Viertelfinale gegen Schweden geschlagen geben. Die Auftritte des Frauenteams haben in den zurückliegenden Wochen viele Sportfans live im Stadion oder am Fernseher verfolgt.

Mit jedem Sieg der Mannschaft – etwa gegen Spanien oder China in der Gruppenphase oder in der K.O.-Runde – wurden Teamgeist und Taktik gelobt. Zwar fehlte es im entscheidenden Viertelfinale gerade der Defensive an Durchsetzungskraft. Mit dem Auftritt hat sich die Frauenauswahl des DFBs allerdings hervorragend verkauft. Und wird den einen oder anderen neuen Fan gewonnen haben.

Wie lässt sich der Trend in Zahlen messen? Als Gradmesser eignen sich die Zuschauerzahlen. Letztere waren eine Überraschung. Das Spiel in der Vorrunde sehen 6,15 Millionen Deutsche im Fernsehen. Noch einmal deutlich höher lag die Zuschauerzahl beim Achtelfinale. Hier wurden 6,49 Millionen Zuschauer ermittelt. Wie nachhaltig kann dieser Trend sein?

Trotz des guten Auftretens der deutschen Elf bleibt doch auch ein Rest Enttäuschung zurück. Viele Buchmacher ordneten das Team dem erweiterten Favoritenkreis zu und boten je nach Anbieter entsprechende Quoten. Wer vorher die Anbieter genau unter die Lupe genommen hatte, hätte zwar nette Gewinne bekommen, jedoch bewegten sich diese eher auf Favoritensieg-Niveau. Eine Wette auf das Ausscheiden im Viertelfinale gegen Schweden hätte dabei sicherlich mehr eingebracht. Mit den USA hat letztlich jedoch das Team gesiegt, was auch als Top-Favorit gesetzt waren. Trotzdem hatte sich die deutsche Elf und auch die Fans mehr von dem Turnier versprochen.

Die Vergangenheit lief nur mittelmäßig erfolgreich

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Fußballfieber – eine treffende Beschreibung für das, was sich in Frankreich in den letzten Wochen abgespielt hat. Frauenfußball galt lange als Nische, die kaum in der Lage ist Zuschauer anzuziehen. Die WM scheint Kritiker belehren zu wollen. Wieviel wird nach dem letzten Abpfiff von diesem Hype übrigbleiben?

Angesichts der Begeisterung für die junge deutsche Mannschaft und die „Typen“, welche in den Farben der Bundesrepublik auf dem Platz stehen, besteht die Hoffnung auf einen Durchbruch des Frauenfußballs. Aber: Nicht jeder, der den Drive gern in die nächsten Mannschaftsspiele mitnehmen würde, teilt diese Ansicht.

Eher wird nach der WM – trotz des Hypes – mit einem Ablaufen des Interesses gerechnet. Es ist durchaus fraglich, dass der Frauenfußball den „Drive“ aus dem Auftritt in Frankreich mit in die Liga oder Klubturniere nehmen kann. Wie kommt es zu einer solchen Ansicht? Schließlich hat die Auswahl des DFB doch:

  • Nigeria
  • China
  • Südafrika

von „der Platte“ geputzt. Gestützt wird die Vermutung aus Erfahrungen vergangener Jahre. Bereits während des Turniers in Kanada oder der Heim-WM war das Interesse während des Turniers sehr groß.

Nach dem Abpfiff und der Abschlussveranstaltung ließ das Interesse der Zuschauer allerdings wieder spürbar nach. In der Bundesliga saßen deutlich weniger begeisterte Fans im Stadion oder an den TV-Geräten – wenn die Spiele der Frauenmannschaften überhaupt im Fernsehen übertragen wurden.

Abschneiden trägt zur Entwicklung bei

Die Gründe für das abflauende Interesse am Frauenfußball sind vielschichtig. Ein wesentlicher Punkt ist das Abschneiden der Mannschaft. 2011 gehört in diesem Zusammenhang zu den schwarzen Jahren. Hier schied die Mannschaft früh aus. Gerade zu Hause – im eigenen Land – und nach einer massiven Medienkampagne musste sich die Mannschaft um Spielerinnen wie Nadine Angerer, Lena Goeßling oder Inka Grings im Viertelfinale geschlagen geben. Das Elfmeterschießen gewann Japan. Das Ausscheiden im eigenen Land hat dem Frauenfußball sicher keinen Gefallen getan. Kann es 2019 anders sein? Die Mannschaft ist ebenfalls bis ins Viertelfinale gekommen – deutlich zu wenig, wenn man bedenkt, dass dies zeitgleich auch das Aus für Olympia bedeutet. Eventuell sorgen die besonderen Charaktere des Teams in nächster Zeit dafür, dass der eine oder anderen Zuschauer auch in der Bundesliga oder Champions League am Ball bleibt. Zu hoffen wäre dies, mit Sicherheit lässt sich natürlich nicht sagen.

Andere Länder sind schon weiter

In Deutschland haben Millionen zwar die WM-Spiele gesehen. Der Griff zu Statistiken aus der Bundesliga ist ernüchternd. Hier müssen Klubs glücklich sein, wenn zu den Spielen mehr als 1.500 Zuschauer ins Stadion strömen. Dabei können Frauen genauso schönen und spannenden Fußball wie männliche Klub-Kollegen spielen.

Über 60.000 Zuschauer – gibt’s nur bei den Männern. Falsch! Spaniens Frauenfußball macht vor, welches Potenzial auch der Frauenfußball haben kann. Allerdings stammen die Zahlen nicht aus Deutschland. Das Fußball-Magazin ran hat 2019 einen Rekord vermelden können. Die spanischen Klubs Atletico Madrid und dem FC Barcelona spielten im März vor mehr als 60.000 Zuschauern gegeneinander. Und selbst in Italien, dass bekannt für seinen äußerst maskulinen Fußball ist, strömten eine Woche nach dem spanischen Rekord immer noch knapp 40.000 Fußballfans ins Stadion.

Wie ist diese Diskrepanz zu erklären? Einerseits ist der Liga-Betrieb in Deutschland gespalten. Wenige Top-Klubs dominieren. Eine im Magazin Spiegel zitierte Umfrage kommt zum Ergebnis, dass Frauenfußball zwar wahrgenommen wird. Und ein Teil der Bevölkerung Spiele sogar häufiger bis regelmäßig verfolgt. Allerdings geht das Fußballfieber bei vielen nach dem Ende der Großereignisse wieder zurück. Gibt es Möglichkeiten, diese Entwicklung ins Gegenteil zu verkehren?

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Was muss in Deutschland passieren?

Deutschland hat nicht nur bei den Männern erstklassig Fußball gespielt. In der Vergangenheit holte die Frauen-Auswahl des DFB mehrfach bei Europameisterschaften und auch bei der WM den Titel. Trotzdem flaut das Interesse am Frauenfußball regelmäßig wieder ab. Grundsätzlich schaut auch bei den Männern nicht jeder Zuschauer, der zur WM eingeschalten hat, auch in der Bundesliga ein.

Trotzdem muss es die Aufgabe des Verbands – und der Klubs – sein, die Stimmung in der Bevölkerung zu nutzen. Und daraus ein nachhaltiges Interesse für den Frauenfußball zu wecken. Wie kann das Ganze funktionieren? Am Ende sind:

  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Nachwuchsförderung
  • Marketing
  • Sponsoring

mögliche Wege, um das Interesse an Frauenfußball nachhaltig zu steigern. Gerade beim Marketing können die Vereine allein nicht die komplette Verantwortung übernehmen.

Einerseits fehlt es gerade den kleineren Klubs am Geld. Auf der anderen Seite ist eine abgestimmte Kampagne nur realisierbar, wenn alle an einem Strang ziehen – oder das Ganze zentral gesteuert wird.

Warum taucht an dieser Stelle die Nachwuchsförderung auf? Je mehr Kinder und Jugendliche aktiv im Verein auf dem Rasen stehen und spielen, umso stärker ist das Interesse am Sport – sprich dem Frauenfußball – in der Familie. Damit verbreitert sich die Basis für den Frauen- und Mädchenfußball zunehmend, was langfristig dem Sport auch zu einer größeren Zahl von Zuschauern verhilft.

Was auf keinen Fall passieren darf, ist zunehmende Passivität aufgrund des Viertelfinalausscheidens. Gerade in Europa ist Frauenfußball in anderen Ländern/Ligen auf dem Vormarsch. Spanien und Italien kommen nicht nur auf höhere Zuschauerzahlen. Durch die Einbindung der Mannschaften in etablierte Vereine steht den Teams ein erhebliches Kapital zur Verfügung.

Fazit: Frauenfußball braucht mehr Zuschauer

Deutschland ist bei der Frauen-WM im Fußball ausgeschieden. Trotz des spannenden Fußballs in der Vorrunde und dem Achtelfinale war im Viertelfinale gegen Schweden Schluss. Mit den USA hat das Turnier zudem einen verdienten Sieger. Eines hat die WM in Frankreich aber auf jeden Fall erreicht – hohe Zuschauerzahlen. Mehr als sechs Millionen haben Spiele der DFB-Auswahl verfolgt. So hoch werden die Zahlen nach dem Abpfiff der WM nicht mehr ausfallen. Dass in der Bundesliga zum Teil weniger als 1.000 Zuschauer im Stadion sitzen, ist mehr als deprimierend. Um an dieser Situation etwas zu ändern, braucht es mehr als ein Großereignis. Konsequente PR, Marketing und Nachwuchsarbeit sind hierfür erforderlich.

 

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