© Klaus Krüger

Neurieds Bürgermeister Jochen Fischer ist tot. Er starb in seinem 51. Lebensjahr an einer schweren Krebserkrankung, die er jahrelang tapfer ertrug.

Noch Mitte Oktober, mittlerweile auf den Rollstuhl angewiesen, fühlte sich Jochen Fischer sich stark genug, um eine zweiten Amtszeit anzugehen und am 14. März bei der Wahl zum Bürgermeister zu kandidieren. Das sagte er in einem Interview mit der Mittelbadischen Presse. 

Neurieder Bürgerinnen und Bürger ebenso wie Jochen Fischers politische Weggefährten sind geschockt. Neurieds Bürgermeister hatte sich die Achtung seiner Bürger erarbeitet, weil er auf sachliche Entscheidungen Wert legte, weil er zuhören konnte und die Argumente abwägte und weil er erklärte, was er tat. Er hatte immer ein offenes Ohr für alle und respektierte den politischen Gegner; sofern es den in Neuried überhaupt gibt. Jochen Fischer versprach Transparenz im Wahlkampf – und lebte sie in seiner Zeit als Rathauschef.

Starke Sympathien

Das brachte ihm starke Sympathien ein, umso größer ist jetzt der Schock. Der Ichenheimer Jochen Fischer war ein Quereinsteiger. Er nahm die Unzufriedenheit der Bürger gegen den damaligen Bürgermeister Gerhard Borchert wahr – und setzte sich im April 2013 in zwei Wahlgängen gegen anfänglich vier weitere Kandidaten durch; darunter eben auch Gerhard Borchert. Dabei hatte Jochen Fischer seinen Hut als letzter der Kandidaten in den Ring geworfen.

Er hänge mit dem ganzen Herzen an der Gemeinde, da falle ihm der Wechsel von einer Spitzenposition in einem weltweit tätigen Unternehmen an die Spitze der Heimatgemeinde nicht schwer. Das sagte er in seiner Vorstellung vor der Wahl. Und das merkte man seinem „Regierungsstil“ durchaus an. Jochen Fischer war froh darüber, in einem Verein groß geworden zu sein. In Vereinen würden Kinder Erfahrungen sammeln, die bleiben, war seine Überzeugung.

Nicht nur Homo politicus, sondern auch gesellig

In seiner Amtszeit waren ihm unter anderem die Schuldensituation der Eigenbetriebe, der Schulstandort und die B36 (Lärm) wichtig. Jochen Fischer war nicht nur Homo polticus, er war auch gesellig: Seine musikalischen Auftritte mit Tochter Hannah Luna bei verschiedenen Gelegenheiten in der Gemeinde waren Höhepunkte.

Die Tätigkeit als Bürgermeister bezeichnete er als unglaublich vielseitig, sie sei ihm zur Lebensaufgabe geworden. Das Bürgermeisteramt erweitere ständig den Horizont. Er versuche, sein Amt so gut es geht auszufüllen und seinen Beruf als Dienst an der Gemeinschaft zu sehen. Das betreffe auch sein ehrenamtliches Engagement. Jochen Fischer: „Ich kann mir mittlerweile keinen schöneren Beruf vorstellen als das Amt des Bürgermeisters.“

Das Mitgefühl der Neurieder trug ihn

In seinem letzten Interview mit unserer Zeitung Mitte Oktober hatte sich Jochen Fischer noch über seinen sich bessernden Gesundheitszustand gefreut. Das Mitgefühl der Neurieder wegen seiner Krankheit habe ihn getragen. Er sah sich bestärkt darin, eine zweite Amtsperiode anzugehen. Sie blieb ihm verwehrt.

Wie seine Frau Heike sagt, hat Jochen Fischer am Freitag vor einer Woche das Rathaus davon unterrichtet, dass es zu Ende geht und er nicht mehr zurückkehren wird. „Es war eine rasante Progression der Krankheit“, schildert sie die letzten Tage ihres Mannes; also eine rasante Verschlechterung.

Trauerbeflaggung in Neuried, Glocken läuteten

Jochen Fischer ist am Samstag um 21 Uhr gestorben.  Am Sonntag war Trauerbeflaggung in Neuried angeordnet, die Glocken in allen Ortsteilen läuteten um 14 Uhr. „Er war sehr beliebt“, sagt Heike Fischer über ihren Mann Jochen.

Zur Person

Jochen Fischer

Bürgermeister Jochen Fischer kam am 5. April 1970 als Sohn von Doris und Oswald Wendle auf die Welt. Er schloss die Realschule in Ichenheim ab. Danach absolvierte er bei der BASF Willstätt eine Ausbildung zum Chemiefacharbeiter.

Mittels Telekolleg II erwarb er danach die Fachhochschulreife und studierte im Anschluss „Chemische Technologie“ an der FH Darmstadt. Nach seinem Studium war er in der Technischen Marktbearbeitung Verpackungsdruckfarben bei der BASF Drucksysteme GmbH in Willstätt beschäftigt. 1998 heiratete er Heike Fischer, deren Familiennamen er annahm; die beiden bekamen die Kinder Hannah Luna und Samuel.

Er war in der Musikkapelle aktiv und macht Musik zusammen mit seiner Tochter Hannah Luna. 2006 wechselte er zur österreichischen Firma Impress Decor und übernahm die Entwicklungs- und Produktionsleitung eines unternehmenseigenen Farbherstellers in Spanien (bei Barcelona). Dort wurde er innerhalb des Unternehmens in den Potenzialführungsstab mit aufgenommen. 2009 wechselte er als Betriebsleiter zur Printing Inks Technology AG nach Halle/Saale. Seit 2013 war Jochen Fischer Bürgermeister der Gemeinde Neuried.

 

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