© dpa Bernd Wüstneck

Straßburg. Die Corona-Krise führt aktuell dazu, dass manche ostfranzösische Notfall-Ärzte im Einzelfall ältere Menschen nicht mehr reanimieren. Berichte, nach denen am Klinikum Straßburg Patienten über 80 Jahren pauschal nicht mehr wiederbelebt werden, sind nach Informationen der Mittelbadischen Presse allerdings nicht zutreffend. Laut einem Schreiben des Deutschen Instituts für Katastrophenhilfe an das baden-württembergische Innenministerium, das dieser Zeitung vorliegt, würden am Klinikum Straßburg seit vergangenen Samstag Patienten über 80 Jahre nicht mehr beatmet. Das Schreiben, der Grundlage für diverse Medienberichte war, widersprachen Klinik-Vertreter und Gesundheits-Experten aus dem Elsass.

Demnach ist die Lage in Straßburg zwar angespannt, aber nicht so dramatisch, wie geschildert. „Alles hängt vom Gesundheitszustand des Patienten ab“, erklärte Jean-Pierre Lusbec, gesundheitspolitischer Sprecher der Gewerkschaft CGT im Bas-Rhin auf Anfrage der Mittelbadischen Presse. Er habe Kenntnis von Fällen, in denen die Straßburger Notfall-Mediziner gezwungen gewesen waren, sich zu entscheiden, wen sie retteten, einen jüngeren Patienten oder einen alten. „Diese Situation trat bei uns nur sehr selten auf“, präzisierte Carmen Hammann, leitende Notfall-Ärztin der Klinik, auf Anfrage. Und sie stellte klar: „Das Alter ist nur ein Entscheidungskriterium.“ Wichtiger sei die Frage, ob der Patient eine schwere Krankheit habe. Die Klinik und die regionale Gesundheitsbehörde Grand-Est ließen eine schriftliche Anfrage der Mittelbadischen Presse vom Donnerstag bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Dass die Lage in den Krankenhäusern im Osten Frankreichs kritisch ist, steht jedoch außer Frage. Mehrere Gewerkschafts-Funktionäre bestätigten gegenüber der Mittelbadischen Presse die angespannte Situation im Elsass. Wegen mangelnden Kapazitäten, sowohl beim Personal, als auch bei den Betten und der Ausstattung, hatten demnach im südelsässischen Mulhouse Ärzte mehrfach lebenserhaltende Maßnahmen bei älteren Patienten unterlassen, häufiger noch als in Straßburg. Doch auch dort sei keine pauschale Altersgrenze festgesetzt worden.

Bei einem Besuch des in Mulhouse eingerichteten Feld-Lazarets (die Mittelbadische Presse berichtete) hatte Frankreichs Präsident Macron am Mittwochabend all jenen gedankt, die bei der Rettung der Leben anderer ihr eigenes hatten lassen musssten. Allein in Ostfrankreich waren bis zum Wochenende vier Ärzte verstorben, nachdem sie Corona-Patienten behandelt hatten. Macron bemerkte zu diesem Anlass auch „Müdigkeit und Angst“ bei den Medizinern und versprach, in den Krankenhaus-Sektor zu investieren und außerdem Sonder-Prämien an Mitarbeiter zu zahlen. (bo.de)

 

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